Anders und auch cool

Jugendliche mit angeborenem Herzfehler (AHF) haben oft Fehlzeiten in der Schule, zum Beispiel durch Krankenhausaufenthalte oder diverse Arztbesuche. Bei deinen Mitschülern stößt das nicht immer auf Verständnis (es kann sogar so weit führen, dass manche gemein und unfair werden). Das kann einem richtig auf die Nerven gehen - denn die Leute aus der Schulklasse spielen nun einmal in deinem täglichen Leben eine große und wichtige Rolle.

 

Am besten ist es, offen und direkt mit deiner Erkrankung umzugehen. Nur wenn du selbst gut informiert bist, kannst du anderen erklären, was bei dir los ist. Unsere Herzfehler-Animationen helfen dir zu erkennen, wie ein gesundes Herz funktioniert. Das ist die Grundlage dafür, dass du deinen eigenen Herzfehler verstehst. Frag deinen Kinderkardiologen und deine Eltern so lange, bis du wirklich alles verstanden hast. Das ist wichtig.

 

Es gibt einige Dinge, die dir im Unterricht das Lernen erleichtern können, wie z.B. längere Schreibzeiten bei Klassenarbeiten. Klar, du willst nicht wieder eine Extrawurst. Aber mal ehrlich: warum solltest du diese Hilfsangebote nicht wahrnehmen? Du musst im Gegensatz zu den meisten deiner Mitschüler ja sowieso auf zwei "Baustellen" gleichzeitig arbeiten (Schule und Herzfehler). Also mach es dir nicht unnötig schwer. Deine erste Anlaufstelle sollte dein Klassenlehrer oder der Direktor deiner Schule sein. Er weiß in der Regel, welche Möglichkeiten es gibt.

Gefühlte Extrawurst im Abo

Wenn ein Kind einen angeborenen Herzfehler (AHF) hat, muss es meist häufig zum Doktor, zur Krankengymnastik, zur Ergotherapie und, und, und. Das ist oft eine ganz schöne Rennerei von Termin zu Termin. Das kann nicht nur dich stressen, sondern auch deine Eltern, die ja die ganze Familie managen müssen.

Kennst du das, wenn deine Mitschüler dich neidisch-genervt angucken, weil es für dich schon wieder eine Extrawurst gibt und du vom Unterricht befreit wirst? Die wissen natürlich nicht, dass du dafür einiges mitmachst, worauf du eigentlich keine Lust hast. Vielleicht kannst du ihnen ja mal erzählen, wie dein Alltag so aussieht. Dann sind sie bestimmt nicht mehr neidisch und versuchen sogar, dir zu helfen. Oder sie verstehen dich dann wenigstens besser. Eventuell kannst du deinen Lehrer bitten, eine Art "So-sieht-mein-Alltag-aus"-Spiel zu machen? Er könnte es in ein passendes Thema reinnehmen, das sowieso gerade besprochen wird. Dann erzählt jeder Schüler reihum kurz, was er so in seiner Freizeit macht oder er berichtet über seine Ferien. Dann musst du nicht als einziger erzählen und hast dadurch nicht schon wieder eine ungewollte Extrawurst...

Inklusion

Das Gesetz sagt: Jeder hat die gleichen Rechte auf schulische Bildung, Aus- oder Fortbildung und Arbeit. Egal, welche Krankheit er hat. Das nennt man "Inklusion" und es bedeutet im Klartext, dass du als Mensch mit einem Herzfehler auf spezielle Fördermöglichkeiten zurückgreifen kannst. Informiere dich mal über Angebote für Schüler mit "erhöhtem Förderbedarf" oder frag nach Infos zum "Nachteilsausgleich". Das ermöglicht z.B. Benotung von Teilbereichen bzw. Leistungsstreben. Mehr Info dazu

Mithalten!

Wenn du wegen häufiger Fehlzeiten, vieler Arztbesuche usw. in deinen Schulnoten absackst, kümmer dich besser rechtzeitig um Nachhilfe. Oder bitte deine Klassenkameraden, dir auf die Sprünge zu helfen. Bei längeren Krankenhausaufenthalten können dir deine Mitschüler die Hausaufgaben bringen oder mailen. Du kannst in den Hauptfächern Unterricht an der Krankenhausschule beantragen (die Klinik-Sozialarbeiter helfen bei den Formalitäten).

Verbündete suchen

Ist es blöd, dass du

beim Sport nicht alles mitmachen kannst?

für manche Dinge mehr Zeit brauchst als andere?

nicht immer alles auf Anhieb verstehst?

gehänselt wirst, weil du so blaue Lippen und Fingernägel hast,
      so leise redest, ...?

 

Oft hilft es, die Gründe für diese Sachen anzusprechen.
Bei dem Kind, das dich ärgert oder, wenn das nicht funktioniert, bei dem Lehrer und der ganzen Klasse.


Du hast bestimmt einen Freund in deiner Klasse, oder jemanden, den du eigentlich ganz o.k. findest. Bitte diesen Freund oder Klassenkameraden um seine Unterstützung. Er wird sehr wahrscheinlich stolz sein, dass du so viel Vertrauen zu ihm hast. Ginge dir das nicht selbst auch so, wenn ein Mitschüler deine Hilfe braucht? Siehste. Und Dir wird es ein sicheres Gefühl geben, wenn dir jemand zur Seite steht.

Immer erreichbar?

Am besten hast du auch in der Schule Handy- und Telefonnummern deiner Eltern, der behandelnden Ärzte usw. für den Notfall griffbereit. Aber bist du auch selbst erreichbar? Deine Eltern brauchen in der ersten Zeit des Loslassens das beruhigende Gefühl, zu wissen wo du bist. Wenn du zum Beispiel nach der Schule noch losziehst oder abends in der Disco oder auf einer Party bist, ist es für alle stressfreier, wenn du zur vereinbarten Zeit eine SMS schickst oder wie abgesprochen nach Hause kommst. Das beruhigt deine Eltern und hilft ihnen, dir noch mehr Vertrauensvorschuss zu gewähren.