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Was soll ich werden?

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Vor dieser Frage stehen wir alle irgendwann einmal im Leben. Meist gibt es keine schnelle Antwort. Die Entscheidung ist alles andere als einfach - erst recht mit einem angeborenen Herzfehler (AHF). Wenn Jugendliche mit AHF erwachsen werden, machen sich nicht nur die Eltern über deren Berufswahl oft besonders viele Gedanken. Aber: Bis auf einige Ausnahmen wie Pilot, Feuerwehrmann, oder die Arbeit mit gefährlichen Stoffen stehen Jugendlichen mit AHF im Prinzip die gleichen Chancen offen wie allen anderen. Dennoch müssen Jugendliche mit AHF bei der Berufsfindung einiges bedenken:

 

Deine eigenen Interessen und Begabungen sind wichtig für die Berufswahl. Wo liegen sie? Vielleicht hast du durch die Auseinandersetzung mit deinem Herzfehler auch zusätzliche Fähigkeiten/ Kompetenzen erworben?

Eventuell kommen Berufe, die du bisher ausgeschlossen hast, doch in Frage oder du kannst aus dem Umfeld deines Traumberufs etwas auswählen.

Informier dich frühzeitig über passende Berufe, z.B. beim BIZ (Berufsinformationszentrum) der Arbeitsagentur oder dem Integrationsfachdienst (IFD).

Zusätzliche Praktika können sehr hilfreich sein. Oft ist der konkrete Arbeitsalltag anders, als du ihn dir vielleicht vorgestellt hast. Bitte auch um ein Abschlussgespräch, denn wie sollst du deine Chancen verbessern, wenn du nicht weißt, wie? Du kannst dadurch nur gewinnen und trainierst nebenbei auch noch deine Kritikfähigkeit. Die gehört zu den sogenannten Sozialkompetenzen und ist immer wichtig. Egal, für welchen Beruf du dich später entscheidest.

 

Sowohl in der Ausbildung als auch im Studium gibt es Vergünstigungen bzw. Nachteilsausgleiche für Menschen mit angeborenem Herzfehler, vor allem wenn sie einen Schwerbehindertenausweis haben. Mach dich schlau, z.B. über unsere Sozialrechtliche Beratungshotline.

Wie viel Offenheit muss sein?

Vielen widerstrebt es, ihren potentiellen Arbeitgebern von ihrem angeborenen Herzfehler zu erzählen. Wie du damit umgehst, musst du selbst entscheiden.

 

Eine Psychologin empfiehlt: "Im Anschreiben muss man seine Schwerbehinderung nicht unbedingt schon angeben. Ich würde wollen, dass mich die Personalentscheider erst mal persönlich kennenlernen. Der Schwerbehindertenausweis (SBA) kann im Gespräch zum Thema gemacht werden, z.B.: 'Ich habe auf Ihrer Internetseite gesehen, dass Sie spezielle Bedingungen geschaffen haben für Menschen mit SBA. Ein Mensch, der seit seiner frühen Kindheit mit einer Erkrankung lebt, hat Kompetenzen, die ihn gegenüber anderen Menschen prädestinieren. So kann er z.B. eigene Fähigkeiten, aber auch Grenzen besser einschätzen, sich mit Unwägbarkeiten besser arrangieren.' Eine Sozialpädagogin sieht es so: "Wenn die Erkrankung Einfluss auf die Arbeit hat, sollte der Bewerber darauf hinweisen und sachlich die Einschränkungen darstellen."

 

Der Arbeitgeber darf derlei persönliche Angaben beim Bewerbungsgespräch nicht abfragen. Wenn er es dennoch tut: Arbeitsrechtliche Gründe können ggfs. zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses führen, wenn der angeborene Herzfehler bewusst verschwiegen wurde.
Am besten rufst du unsere Sozialrechts-Beratungshotline an   0241-55 94 69 79 oder schreibst eine E-Mail an  info@bvhk.de

Jugendliche erzählen von ihrer Berufswahl